Die Spekulationslüge! 2011-04-24

Noch immer versuchen diverse Experten aus der Finanzwelt uns zu erklären, wie wichtig die Spekulation für das Geschehen am Markt wäre, und betonen deren ausgleichende Wirkung auf die Preise. Müßig zu erwähnen, dass dieselben Leute immense Profite genau damit lukrieren. Das mag wirtschaftstheoretisch und lokal begrenzt auch durchaus zutreffen, oder besser traf einmal zu, aber wie sieht das in Zeiten wie diesen aus?

Global gesehen und seit einigen Jahrzehnten befinden wir uns in einer Phase der Verknappung sämtlicher Ressourcen, sei es nun Nahrung, Ackerland, Siedlungsland, Wasser, Bodenschätze oder was auch immer. Derzeit wird etwa das 1,5-fache dessen an Ressourcen verbraucht, was unserem Planeten nachhaltig zuzumuten wäre, also leben wir bereits jetzt zu einem wesentlichen Teil ‚auf Pump'. Würde die gesamte Weltbevölkerung mit dem Standard und in der Art der führenden Industrieländer leben, so bräuchten wir bereits jetzt 5 mal die gesamte Erde, um diesen Bedarf decken zu können! Irgendwann in naher Zukunft wird die Menschheit diese ‚Schulden' abbezahlen müssen, wenn wir nur noch einen geringen Teil dessen verbrauchen dürfen.

Berücksichtigt man nun noch die Prognosen über die Weltbevölkerung und den Klimawandel, wird schnell klar dass auf dem Planeten Erde in nächster und fernerer Zukunft kein Überschuss mehr von auch nur irgendetwas, sei es Rohstoffe, Agrarprodukte, Energie, Land etc., zu erwarten sein wird.

Nun wird bereits jetzt ungezügelt und ungeregelt spekuliert mit allem und jedem, der Ölpreis z.B. wäre ohne Spekulanten derzeit etwa nur die Hälfte des aktuellen, von Getreide, Reis usw. ganz zu schweigen, und Konzerne kaufen weltweit in großem Massstab Wasserrechte und fruchtbares Ackerland u.ä. auf, meist in Entwicklungsländern, in Erwartung einer hundert- oder tausendfachen Rendite.

Nachdem es also nur noch mangelndes Angebot und steigende Nachfrage geben KANN, sollte auch ‚nicht Ökonomen' bzw. jedem mit ‚gesundem Menschenverstand' klar sein, wohin die Spirale der Preise sich dreht, welche durch Spekulation nur noch mehr angetrieben wird.


Wenn die Menschheit die ins Haus stehenden, resultierenden und vor allem sozialen Probleme bewältigen will, braucht sie radikal neue Konzepte in Ökonomie und Soziologie. Sonst werden wir uns alle und schon sehr bald einer globalen Erpressungs-Maschinerie gegenüber sehen, und zwar mittels der reinen ‚Überlebens- Notwendigkeiten' wie Nahrung, Wasser, Wohnraum, Energie und vielleicht bald saubere Luft zum Atmen. Unsere Arbeit wird nicht einmal dafür mehr ausreichen und sofern nicht bereits so geschehen, erwarten uns Bedingungen wie von Sklaven zur Kolonialzeit oder schlimmeres. Mit der Not und dem Elend der Menschen werden sich, wie früher auch schon, gerade in Zukunft immer NOCH bessere Geschäfte machen lassen.


Wenn die Politiker eine völlige Wende nicht leisten können oder wollen, und es sieht ganz stark danach aus, müssen wir uns die Politik eben selber machen, um vielleicht das Geschäft, zumindest so wie es oben beschrieben ist, gleich ganz abzuschaffen! Wenn die Globalisierung daran schuld ist, dass wir immer ärmer werden (was ja so nicht stimmt, wir können uns nur immer weniger leisten für den Gegenwert unserer Arbeit, was aber auch gewünscht ist!), dann brauchen wir eben wieder lokale Konzepte und beenden damit den Einfluss derselben. Armut ist in jedem Fall immer menschen-gemacht, und schon überhaupt nicht auf irgendeine weise ‚natürlich' bedingt, vielmehr wird diesen Menschen das Ergebnis ihrer Anstrengungen vom globalen System schlicht entzogen.


Also, wie schon an andere Stelle erwähnt, und jetzt erst recht: Kaufen sie NICHTS!


Und wenn nötig, bis das System tatsächlich zusammenbricht. Die Krise ist noch lange nicht zu ende, es kann auch kein immerwährendes Wachstum geben, also brauchen wir ohnehin neue Konzepte. Ich hab hier einige wenige Denkanstösse angefügt, Leckerbissen für ‚Utopisten' im besten Sinn des Wortes.


- ‚Lokalisierung' statt Globalisierung!
Von den ach so ‚gescheiten' Ökonomen konnte noch keiner schlüssig erklären, wie es überhaupt funktionieren soll, wenn ein Mitteleuropäer auf globalem Arbeitsmarkt mit einem Chinesen konkurrieren muss, dessen Lebenshaltungskosten nicht einmal 1/100 des ersteren betragen, und welcher die dann schon von Letzterem produzierten, im Verhältnis um ein Vielfaches überteuerten Güter, weiterhin und vielleicht auch ohne Job noch brav konsumieren soll?! Es gibt einige sehr schöne Beispiele, wo in den ärmsten Gegenden die Menschen durch z.B. eine eigene, nur lokal gültige Währung sogar zu bescheidenem Wohlstand gelangen, oder in höchster finanzieller Not zu Tauschgeschäften zurückkehren, auch das ist schlicht eine Entkoppelung von größeren wirtschaftlichen Zusammenhängen und wirkt erwiesener maßen (lokale) Wirtschaftswunder!


- Einkaufs- und Energiegenossenschaften etc.
Was wäre, wenn Kommunen (schönes Wort übrigens!) bzw. lokale oder Internet- Gemeinschaften welcher Art immer, weltweit günstigst und en gros einkaufen, um die Waren dann zum Selbstkostenpreis an die Mitglieder abzugeben? Warum nicht das Gemüse für wenige Cent direkt bei chinesischen Bauern kaufen und einfliegen, wenn sie schon mit uns um die Arbeitsplätze konkurrieren? Auch das gibt es bereits, so bei den Inuit in Grönland, wo sonst sämtliche Güter, schon wegen hoher Transportkosten, für die Meisten unerschwinglich wären. Oder Gemeinden und Städte in Deutschland, die die Energieerzeugung selbst in die Hand nehmen und die Stromnetze zurückkaufen, um ihre Bürger günstig zu versorgen und sogar eventuelle Gewinne ohnehin wiederum der Gemeinde zugute kommen. Der Produktionswert der meisten Waren liegt heute unter 1/3 - 1/4 des vom Endverbraucher bezahlten Preises, und manchmal noch weit darunter, also machen wir uns das System zunutze, solang es noch existiert und uns schädigt!


- Spekulationstop, sogar Preisregelung für alle Grundversorgungsgüter!
Das sind vermutlich die meisten, mit denen sich noch großes Geld verdienen lässt, zumal sich die ‚Masse' bald kaum mehr als diese leisten können wird! Man kann sich denken, dass ein paar Leute (und es sind tatsächlich NUR ein paar!) sehr viel dagegen (vorzubringen) haben, was uns aber wenig zu kümmern braucht, sollen sie doch auf Luxusgüter wetten, welche sich ohnehin nur Ihresgleichen leisten können... Es ist schliesslich nicht unser Problem, womit diese Leute in Zukunft Profite machen, schon eher ist es das, ob wir uns dann noch etwas zu essen leisten können.


- ‚virtuelle' Geschäfte, ‚virtuelle' Gewinne!
der Umsatz des sog. Finanzmarktes ist inzwischen 100 mal höher als jener der Realwirtschaft! Letztere muss jedoch letztendlich sämtliche Gewinne des ersteren ‚erwirtschaften', denn richtiges, reales Geld lässt sich nun einmal nur mit real produzierten Dingen verdienen. Wie wär's z.B., wenn unsere feinen Herrn Banker ihre ganz ‚virtuell' generierten Gewinne und Boni auch ebenso zu 99% ‚virtuell' ausbezahlt bekämen? Und dieser Teil würde sich erst langfristig zug um zug, und je nachdem ob die Geschäfte nachhaltig und real erfolgreich waren, in ‚reales' Vermögen wandeln, oder aber für die Beseitigung eventueller Schäden herangezogen werden, ganz wie bei einer Versicherung.


Und was die Durchsetzung von ‚Utopien' betrifft, schauen wir doch kurz hinüber zu unseren arabischen Nachbarn, es gibt da anscheinend ein paar Möglichkeiten, von A(rbeitsniederlegung) bis Z(ivilen Ungehorsam).... ;-)